Kunstprojekt 10 Jahre RaJubi / E-Bikes aus der Box

25.11.2018

Jennifer Schmidt ist seit sechs Monaten die Geschäftsführerin der Bildungseinrichtung. Sie stellt die zehn Jahre alte Institution neu auf, um die Zukunft zu gewinnen

Von Detlef Hans Serowy

 

Jennifer Schmidt hat große Pläne. Ein Zentrum des Handwerks möchte sie aus dem Ravensberger Jugendbildungshaus (RaJuBi) machen. Seit Mai ist die 39-Jährige Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbHin Halle, die junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren qualifiziert. „Das Land NRW will die Ausbildungsberufe stärken und wir möchten unseren Beitrag dazu leisten“, sagt die Diplompädagogin. Handwerkliche Berufe stehen jetzt schon im Mittelpunkt beim Bildungsträger, der vor zehn Jahren von der Intal BildungundBeruf e. V. und der damaligen Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung gegründet wurde. Heute ist Intal alleiniger Gesellschafter. „Wir wollen Handwerksberufe für junge Leute attraktiver machen“, hat sich Jennifer Schmidt vorgenommen. Dazu wird das RaJuBi künftig mit Offenen Ganztagen (OGS) und Schulen kooperieren. Schüler sollen früh und möglichst praktisch mit dem Handwerk in Kontakt kommen. „Dazu machen wir den Schulen zusätzliche Angebote.“ Und nicht nur denen. Auch Handwerksbetrieben will die Geschäftsführerin ihr Haus als Dienstleister anbieten. „Wir werden Auszubildende für die Betriebe weiter- und  nachqualifizieren.“ Eine neue Lernhalle könnte das Zentrum all dieser Aktivitäten sein. „Es gibt in einem unserer Gebäude noch freie Flächen, die geeignet wären“, sagt die Ehefrau und Mutter von vier Kindern. Jugendliche sollen dort verschiedene Berufsangebote praktisch ausprobieren können. In der Lernhalle würde sie auch gern potenzielle Auszubildende und Ausbildungsbetriebe zusammenbringen. „Ein fachspezifisches Azubi-Speeddating“ könne das sein, erläutert Jennifer Schmidt und betont: „Wir wollen insgesamt mehr mit örtlichen Betrieben zusammenarbeiten.“ Gekrönt würde die Lernhalle von Zukunftsberufen wie Prototypenbau oder Robotik. „Ich hätte dort gern 3D-Drucker oder Fertigungsroboter“, sagt die  Geschäftsführerin. Solche Geräte kosten viel Geldunddeshalb ist ihr klar, dass bei diesem Traum ein starker Sponsor helfen muss. Ein weiterer Baustein im RaJuBi-Zukunftskonzept der Hallerin ist die Radstation am Bahnhof. „Der Service wird gern angenommen und ist beliebt“, melden Kunden ihr zurück. Die Leute wünschten sich längere Öffnungszeiten und einen breiteren Service, so Jennifer Schmidt.

 

Mensch können ihr Rad unter Anleitung selbst reparieren.


Attraktive Nahmobilität hat sich die Stadt Halle auf die Fahnen geschrieben. Deshalb kooperiert die Kommune bei der Radstation mit dem RaJuBi. „Es soll dort mehr Angebote für die Bürger geben.“ Beispielsweise könnten Menschen unter Fachanleitung ihr Rad selbst reparieren. „E-Bikes und Pedelecs würden wir gern künftig verleihen“, wünscht sich Jennifer Schmidt. Die Stadt Halle versuche für den Ankauf Zuschüsse vom Land NRW zu erhalten. Außerhalb der Radstation kann eine Repair-Station entstehen, „wo Leute an ihren Rädern schrauben können“. Das soll auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich sein. „Die Kunden hätten gern Dienstleistungen auch am Wochenende, doch das können wir nicht leisten.“ Deshalb denkt Jennifer Schmidt darüber nach, den Radverleih auch automatisiert über verschließbare Boxen anzubieten. Neben all den Visionen und Plänen hat es bereits konkrete Veränderungen gegeben. „Wir haben in der Berufserkundung für Schüler die Branchen IT/Computer, Zweiradmechanik, Erziehung und Pädagogik sowie Bekleidungstechnik hinzugenommen.“ Mehr als 20 Berufe sind es jetzt insgesamt. Außerdem bemüht sich die Geschäftsführerindarum, neueAufträgezuerhalten. „Wir werden uns bei der Arbeitsagenturumeine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme mit Rehabilitation für psychisch  beeinträchtigte Jugendliche bemühen.“ Alle Aktivitäten dienen dazu, den Bestand der Bildungseinrichtung abzusichern. „Mein erklärtes Ziel ist es, den schon viele Jahre bei uns beschäftigten Kolleginnen und Kollegen eine langfristige berufliche Perspektive zu bieten.“ Auch das ist ein Teil der großen Pläne  von Jennifer Schmidt.

 

Foto: Kunstprojekt: Das Ravensberger Jugendbildungshaus besteht zehn Jahre. Aus diesem Anlass haben Teilnehmer und Beschäftigte gemeinsam ein Kunstwerk angefertigt, das jetzt eine Außenwand der Gebäude am Standort Hesseln ziert.